F³ Kreativwirtschaft

Offenes Ohr für Kreative
Die Bundesregierung will mit einer „Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft“ die Rahmenbedingungen für die einzelnen Branchen gezielt verbessern. Das ist eine gute Gelegenheit für kreative Frauen, ihre Wünsche Forderungen zu formulieren.

„Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist für unsere Volkswirtschaft von erheblicher Bedeutung. Ihr Beitrag liegt noch über dem der Chemiewirtschaft.“ Die Worte, die Dagmar Wöhrl am 7. Mai in den Räumen des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) fand, waren mehr als eine Anerkennung: Es war der Ritterschlag der Kultur- und Kreativwirtschaft zum ernstzunehmenden Wirtschaftssektor. Ein wachsender Wirtschaftszweig, der künftig besser forscht und gefördert werden soll, weil er Wachstum, Innovation und Arbeitsplätze bringt. Dem erheblichen Beitrag der Kreativen zur deutschen Volkswirtschaft öffentliche Anerkennung zu bringen, die Rahmenbedingungen für die einzelnen Branchen zu verbessern und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, ist Ziel der „Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft“, die das BMWI zusammen mit dem Bundesbeauftragen für Kultur und Medien koordiniert. Beteiligt an der Ressort übergreifenden Zusammenarbeit sind außerdem das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie das Bundesministerium für Bildung und Forschung. „Wir wollen erreichen, dass künftig nicht mehr nur von ‚Made in Germany’, sondern auch von ‚Created in Germany’ gesprochen wird“, sagte Wöhrl.

Tatsächlich gibt es einiges aufzuholen: Bislang profitieren Kreativunternehmerinnen und –unternehmer nur wenig von Wirtschaftsförderprogrammen, die traditionell eher auf Technologieunternehmen zugeschnitten sind. Auch als Forschungsfeld ist die Kreativwirtschaft in der deutschen Volkswirtschaft ein weißer Fleck. Wo es aber Zahlen gibt, da offenbaren sie einen quicklebendigen und hoch innovativen Markt: Mit 58 Millionen Euro Bruttowertschöpfung lag die Kreativwirtschaft im Jahr 2004 nur knapp unter der Automobilbranche. Rund 210 000 Unternehmen beschäftigen knapp eine Million Erwerbstätige, die Quote der Selbständigen und Freiberufler ist mit 25 Prozent außergewöhnlich hoch. Auch auf EU- und Länderebene zweifelt niemand mehr daran, dass die Kulturwirtschaft ein unverzichtbarer Motor für Wachstum und Beschäftigung ist: Auch in anderen EU-Ländern, insbesondere in Großbritannien und Frankreich werden die wirtschaftlichen Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft zunehmend diskutiert. Die EU-Kommission hatte bereits 2006, und 16 von 19 Bundesländern legen inzwischen Kulturwirtschaftsberichte vor.

Da der Beitrag der Frauen für Wachstum und Beschäftigung in der Kreativbranche überdurchschnittlich hoch ist, bietet sich damit für kreative Frauen eine günstige Gelegenheit, ihre speziellen Forderungen an die Bundespolitik zu formulieren und Vorschläge für verbesserte Rahmenbedingungen in ihrer Branche einzureichen – ob sie nun Urheberrechtsfragen, Verbesserung von Aus- und Weiterbildung, finanzielle Förderung oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf betreffen. F³ wird diese Vorschläge weiterleiten.

Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft

BMWI-Forschungsvorhaben „Kultur- und Kreativwirtschaft“: In einem Forschungsgutachten sollen typische und übergreifende Bestimmungsmerkmale der Teilbereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft erarbeitet werden. Insbesondere soll das Gutachten Erkenntnisse über den Einfluss der neuen Technologien bringen. Die Rahmenbedingungen der Wirtschaftsförderung, insbesondere in Hinblick auf Mittelstandsförderung und EU-Regionalförderung sollen analysiert und Hemmnisse von Kreativen bei der Erschließung neuer Märkte im In- und Ausland sollen identifiziert werden. Aus den Erkenntnissen sollen Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung abgeleitet werden.

Branchenhearings: In einem Dialog mit den einzelnen Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft will die Bundesregierung bestehenden Anpassungs- und Handlungsbedarf identifizieren. Ein erstes Branchenhearing ist noch vor der Sommerpause 2008 mit Vertretern aus dem Bereich Werbung und Kommunikationsdesign geplant, in der zweiten Jahreshälfte folgen die Bereich Architektur, Medienwirtschaft, Produktdesign, Computerspiele und Darstellende Kunst. 2009 sollen der Dialog mit Vertretern aus Bildender Kunst, Modewirtschaft, Musik und Literatur folgen.

Einbindung bereits bestehender Aktivitäten auf Bundesebene: Bestehende Maßnahmen wie beispielsweise der Deutsche Filmförderfonds, die Initiative Musik, der Gründerwettbewerb Multimedia, der Designpreis sowie der deutsche Computerspielepreis sollen gebündelt und besser aufeinander abgestimmt werden.
Konsultationen auf europäischer und internationaler Ebene: Noch 2008 will die Bundesregierung, gegebenenfalls unter Beteiligung von Vertretern der Kultur- und Kreativbranche, bilaterale Konsultationen mit der EU-Kommission und einzelnen EU-Mitgliedsstaaten durchführen. Die Arbeitsgruppe zur Kultur- und Kreativwirtschaft, bestehend aus Experten der EU-Mitgliedsstaaten, hatte ihre konstituierende Sitzung bereits am 17. April 2008.

Themenspezifische Veranstaltungen: Aufbauend auf den Ergebnissen der Branchenhearings sollen Workshops, Diskussionsrunden, Roundtables, Fachforen und Expertendiskussionen geplant und durchgeführt werden. Insgesamt sind vier Veranstaltungen in Nord-, Süd-, West- und Ostdeutschland geplant.