F³ Kreativwirtschaft

Verpackungs-Chique für Berlinerinnen

Sie ist zeitlos schick, strapazierfähig und passend für die unterschiedlichsten Lebenssituationen: NIX-Design ist tragbare Wohlfühlmode. Das Berliner Label der Designerin Barbara Gebhardt steht nicht nur für Kleidung, sondern auch für Lebenskultur. 

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Es war ein lauer Spätsommerabend im vergangenen September, als 70 Berlinerinnen zu Models wurden. Professionell geschminkt und gestyled schritten sie über den Laufsteg in den Berliner Heckmannhöfen – die einen im recht versierten Catwalk, die anderen eher nervös - und präsentierten elegante Hemden, raffinierte Röcke und multifunktionale Jacken von Nix Design. „Ich habe mich sehr gefreut, dass meine Kundinnen diesen Mut hatten“, erinnert sich die Designerin Barbara Gebhardt, die diese etwas andere Modenschau organisiert hatte. „Es war wie ein schönes Bekenntnis zu mir und meiner Arbeit. Schließlich geben allein meine Kundinnen der Mode Seele.“

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„Transportverpackung für den urbanen Menschen“, nennt Gebhardt augenzwinkernd ihren Stil – Multifunktionskleidung, die auf dem Fahrrad wetterfest ist, sich auf abendlichen Geschäftsessens aber trotzdem gut macht. Elegant, durchdacht und von zeitloser Schlichtheit sind auch die Verkaufsräume von NIX Design in den Oranienburger Straße. Wer hierhin kommt – oft sind es Architekten, Galeristen, Journalisten und andere Kreative – sucht weniger ein Shopping-Erlebnis als einen Ort, an dem ein bestimmter Geist und Lebensstil herrscht. In den Heckmannhöfen organisieren auch die anderen Betreiber von Geschäften und Werkstätten Ausstellungen und Filmabende, hier kann man bei frisch gekochter Suppe Gleichgesinnte treffen. Es ist eine Szene, die eine vertrauenswürdige Stilberatung mehr schätzt als stundenlanges Wühlen in den Shopping-Malls.. „Wir sind wie ein Club“, sagt die 43-Jährige Designerin. „Man erkennt sich am Kleidungsstil, am Label, und sofort gibt es eine Verbundenheit. Auf diese Weise sind schon Liebesgeschichten entstanden.“

 

Für die Designerin Barbara Gebhardt war Lebenskultur immer schon wichtiger als das Große Geld. Für die Unternehmerin Gebhardt aber ist der Umgang mit großen Summen das tägliche Brot. Investitionen mögen ihr heute als berechenbares Instrument für Wachstum und Geschäftserfolg erscheinen - früher waren sie eine kaum zu nehmende Hürde. „Immerhin: Als ich vor 18 Jahren zusammen mit meiner damaligen Geschäftspartnerin meinen den ersten Laden eröffnete, hatte ich es sehr viel leichter als Existenzgründerinnen heute.“ Dass Banken zurückhaltend sind, wenn es darum geht, einer Designwerkstätte oder einem Modeladen einen Kredit zu bewilligen, das hat sie damals schon gemerkt. Als die gebürtige Münchnerin 1991 nach Berlin zog, übernahmen noch ihre Eltern die Bürgschaft für das Startkapital von in Höhe 25 000 Mark. Doch der Berlin-Boom stand erst am Anfang, und die Gewerbewerbeflächen waren günstig. Einige Jahre lang sammelte die jungen Mutter erste Geschäftserfahrung – mit Tagesmüttern und Kindergärten, mit der Geschäftspartnerin, ihren Angestellten und Honorarkräften, mit Gewerbeämtern und Messeveranstaltern.

1998 wagte sie den Sprung ins mittelständische Gewerbe: Mit einem 120 000 Euro-Kredit pachtete sie den neuen Verkaufsraum in den Heckmannhöfen in Berlin Mitte, und entwickelte den internationalen Vertrieb weiter. „Ich habe mit meiner von meinen Eltern geerbten Eigentumswohnung für den Kredit gebürgt“, erzählt sie. „Und da wird man anfangs natürlich schnell nervös, wenn mal ein finanzielles Tief kommt.“

Heute ist NIX Design als Marke etabliert, Gebhardt ist Arbeitgeberin von zehn Angestellten und Honorarkräften. Die guten und schlechten Geschäftserfahrungen, die sie im Laufe der Jahre gesammelt hat, lassen sie inzwischen mit Gelassenheit auf die Höhen und Tiefen des Tagesgeschäfts blicken. „Man muss offen sein für neue Impulse, aber sich und seinem Stil sollte man immer treu bleiben“, sagt sie. „Gerade bei der Massenproduktion von heute setzen Qualität und ein wieder erkennbarer Stil sich durch. Das ist meine tiefe Überzeugung.“

 

Von Andrea Rehmsmeier