F³ Kreativwirtschaft

Routenplanerin für’s Große Geld
Über 400 Filme, ein Jahresumsatz zwischen 25 und 28 Millionen Euro, Grimme Preis, das Bundesverdienstkreuz und diverse Bundesfilmpreise – mit ihrer 35-jährigen Karriere als Filmproduzentin ist Regina Ziegler schon jetzt Teil der deutschen Filmgeschichte.

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Es gab eine Zeit, da haben Regina Zieglers Freunde und Bekannten die Straßenseite gewechselt, wenn sie sie kommen sahen. „’Die Regina, die will schon wieder Geld pumpen’, haben die sich wohl gedacht“, erinnert sie sich. Heute kann Deutschlands erfolgreichste Filmproduzentin bei dieser Erinnerung schmunzeln: Mit über 400 produzierten Filmen, dem Grimme Preis und dem Bundesverdienstkreuz erzählen sich solche Anekdoten mit Tellerwäscher-Charme gut.

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Damals aber, vor 35 Jahren, ging es bei Regina Ziegler tatsächlich ums Ganze: Sie war frisch geschieden, und auch ihre Laufbahn als Produktionsassistentin beim SFB war zuende. Gerade als Frau sah sie dort keine Entwicklungsmöglichkeiten. Da dachte sie sich: „Lieber ins kalte Wasser springen als auf eine Chance warten, die nicht kommt!“. Den Absprung wagte sie gemeinsam mit dem Filmemacher Wolf Gremm und der Produktion „Ich dachte, ich wäre tot“. Das Filmprojekt gelang und brachte ihr dreierlei: Den Bundesfilmpreis, eine bis heute glückliche Ehe mit Gremm und die lebensnahe Erfahrung damit, was es heißt, große Summen zu einzunehmen und wieder zu investieren. „Ich habe meine Verhandlungen immer mit dem Waffen einer Frau geführt“, sagt sie. „Mit Selbstvertrauen, Fleiß, Geduld.“ Heute führt Regina Ziegler die Ziegler Film GmbH & Co. KG zusammen mit ihrer Tochter Tanja. Sie ist Arbeitgeberin von 29 fest angestellten Mitarbeitern, durch ihre Hände läuft ein Jahresumsatz zwischen 25 und 28 Millionen Euro.

Keine Kreativbranche fordert so viel Mut, in großen Summen zu denken, wie das Filmgeschäft. Die Produktion eines Eventfilms - gedreht für das deutsche Fernsehen, aber technisch und filmisch in Kinoqualität - kostet in der Regel zwischen vier und fünf Millionen Euro, ein Fernsehspiel bis zu 1,4 Millionen und ein TV-Movie um die 1,6 Millionen Euro. In diesem Geschäft reicht bisweilen ein einziger Flop, um das finanzielle Gleichgewicht der Produktionsfirma ins Wanken zu bringen. „Produzieren war, ist und bleibt ein schwieriges Geschäft“, sagt Regina Ziegler. Aber ich sehe keine Veranlassung zur Panik, auch wenn die äußeren Umstände in Deutschland sehr viel schwieriger geworden sind.“

Filmproduktion ist eine Mischung zwischen knallhartem Geschäft und dem sensiblen Gespür für erzählenswerte Geschichten, zwischen Kulturanspruch und Massenattraktivität, zwischen kommerzieller Kalkulation und Filmleidenschaft – eine attraktive Mischung für Frauen, die sich zur Unternehmerin ebenso berufen fühlen wie zur lebenslangen Berufs-Cineastin. Regina Ziegler glaubt, dass die deutsche Filmlandschaft Existenzgründerinnen Chancen bietet – auch, oder gerade weil sie bis heute eine Männerdomäne ist. „Ich glaube, dass es unter den Männern immer noch funktionierende Old-Boy-Networks gibt, dass Männer sich sehr viel schneller als Frauen mit den anderen verständigen können und sich gegenseitig unterstützen.“ Gegen diese gewachsene Allianz setzt Ziegler ihr eigenes kleines Meeting, das sie „Nice Ladys Network“ nennt, in dem sich Frauen aus Kultur, Wirtschaft und Politik gegenseitig unterstützen. „Die besten Chancen hat man, egal ob Mann oder Frau, wenn man die nötige Leidenschaft und Begeisterung hat, und wenn die Umstände nicht dagegen sprechen.“

 

Von Andrea Rehmsmeier